In der vorherigen Lektion hast du gelernt, dass Admin-Konten sich nicht an Systemen niedrigerer Tiers anmelden dürfen. Aber wie setzt man das praktisch um? Und was passiert, wenn ein Admin-Konto trotzdem kompromittiert wird?
Die Details von Identitäts- und Zugriffsmanagement werden in Modul B4 behandelt. Hier konzentrieren wir uns auf die Maßnahmen, die speziell für den Schutz privilegierter Konten im Active Directory relevant sind, da diese Konten eines der wertvollsten Ziele für Angreifer sind.

„Unser IT-Team hat fünf Windows-Administratoren. Im Moment nutzen die alle ihr normales Konto für die AD-Administration, mit dem sie auch E-Mails lesen und im Internet surfen. Das ist falsch, oder?“
„Das ist sogar sehr gefährlich. Wenn einer von ihnen auf eine Phishing-E-Mail klickt und sein Konto kompromittiert wird, hat der Angreifer sofort Domain-Admin-Rechte. Bei getrennten Konten hätte er nur ein normales Benutzerkonto ohne erhöhte Rechte.“

Fassen wir die wichtigsten Aspekte zum Schutz privilegierter Konten zusammen:
Administratoren sollten niemals ihr normales Benutzerkonto für administrative Tätigkeiten verwenden. Das gilt für fast alle Betriebssysteme, egal ob Windows, Linux oder MacOS.

Wie du schon gelernt hast, sollte ein hochprivilegierter Administrator seine normale Arbeitsstation nach Möglichkeit nicht für die Administration von kritischen Systemen, wie z.B. Domaincontroller oder Zertifikatsdienste nutzen. Stattdessen sollten hierzu separate Arbeitsstationen verwendet werden.
Eine PAW ist ein gehärteter Rechner, der ausschließlich für administrative Tätigkeiten genutzt wird. Kein Angreifer kann über eine Phishing-E-Mail oder eine manipulierte Website an die Admin-Credentials gelangen, weil es auf einer PAW weder E-Mail noch Browser gibt.
Selbst mit separaten Admin-Konten und PAWs bleibt ein Risiko: Besitzt ein Admin-Konto dauerhaft weitreichende Berechtigungen, kann ein Angreifer diese nach einer Kompromittierung jederzeit missbrauchen – auch dann, wenn der Administrator sie gerade gar nicht benötigt.
Just-in-Time (JIT) verfolgt deshalb einen anderen Ansatz: Privilegierte Berechtigungen werden erst bei Bedarf aktiviert und nur für einen begrenzten Zeitraum vergeben. Anschließend werden sie automatisch wieder entzogen.
Der Ablauf ist relativ klar:

Je nach Lösung kann die Aktivierung zusätzlich von Bedingungen abhängig gemacht werden, beispielsweise einer MFA, einer Begründung oder der Genehmigung durch eine andere Person.
Für Microsoft-Umgebungen ist insbesondere folgende Lösung relevant:
Daneben gibt es umfangreiche PAM-Plattformen von Drittanbietern, beispielsweise CyberArk oder BeyondTrust. Solche Lösungen gehen häufig deutlich über die reine zeitliche Vergabe von Berechtigungen hinaus. Sie können beispielsweise privilegierte Zugangsdaten in einem Vault verwalten, Passwörter automatisch rotieren sowie administrative Sitzungen überwachen und aufzeichnen.
Vereinfacht gesagt: Statt einem Administrator permanent den Schlüssel zum Serverraum zu geben, bekommt er ihn nur dann, wenn er ihn benötigt – und nach einer festgelegten Zeit wird er automatisch wieder eingezogen.
Für besonders schützenswerte Konten stellt Active Directory die Sicherheitsgruppe Protected Users bereit. Mitglieder dieser Gruppe unterliegen zusätzlichen Sicherheitsbeschränkungen, die insbesondere den Diebstahl und die Wiederverwendung von Anmeldeinformationen erschweren:

💡 Privilegierte Administratorkonten sind typische Kandidaten für die Protected Users-Gruppe. Vor der Aufnahme sollte jedoch geprüft werden, ob die betreffenden Konten noch auf NTLM, bestimmte ältere Kerberos-Verfahren oder Delegierung angewiesen sind. Andernfalls können Anwendungen oder administrative Prozesse nicht mehr funktionieren. Die Gruppe sollte daher nicht nach dem Prinzip „einfach alle Admins hinzufügen“ eingesetzt, sondern zunächst in der jeweiligen Umgebung getestet werden.
Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht das Konzept noch einmal grafisch:

Du bist dran! Prüfe dein Wissen zu Privileged Access Management und beantworte die folgende Quizfrage: